PowerPoint-Rhetorik

4 Gestaltung von Folien

In der Einleitung (Kap. 1) wurden bereits einige wichtige Erkenntnisse der Hirnforschung und der Psychologie vorgestellt. Demnach ist das Sehen für den Menschen das wichtigste Wahrnehmungs- System überhaupt. Die Visualisierung von Ideen und Themen ist also von überragender Bedeutung. Die im Kap. 1.4.3 beschriebenen Vorteile der Kommunikation mit Bildern werden häufig auch als Bildüberlegenheitseffekt bezeichnet.

PowerPoint-Präsentationen bieten nun die Chance, Bild und Sprache so zu kombinieren, dass sowohl das Publikum leichter überzeugt werden kann, als auch die Erinnerung an die Präsentation – also an den Vortragenden, seine Folien und sein Thema – erheblich ver­bessert wird.

Bei der Foliengestaltung selbst geht es um Inhalte und Form.

Die Inhalte müssen den Vortrag unterstützen. Dies ist in Kap. 1.3.3.1 als „Folienrhetorik“ beschrieben. Es sind Bildmotive zu überlegen und auszusuchen, welche die Argumentation des Vortragenden anschaulich darstellen und emotional verstärken. Es handelt sich also um eine kreative Phase. Kreativ ist der Mensch, wenn er seinen Gedanken freien Lauf lässt, wenn er Assoziationen aneinanderreiht und Ideen produziert. In diesem Zustand sind allenfalls Papier und Bleistift die passenden Hilfsmittel – ein computergestütztes Werkzeug hemmt da nur. Das Sitzen vor der Tastatur und das Starren auf den Monitor würgt die Kreativität ab.

Wir skizzieren daher unsere Folienideen am besten im Rahmen des in Kap. 3 - Entwurf von PowerPoint-Präsentationen - beschriebenen Drehbuchs und zwar mit Papier und Bleistift.
Für die Form, d.h. die Gestaltung der Folien, liefert uns die Psychologie eine große Anzahl von Tipps und Hinweisen, die wir im Folgenden als Empfehlungen anbringen wollen.

 

4.1 Gestaltungsprinzipien

Bei der Gestaltung von PowerPoint-Folien ist zunächst einmal die relativ kleine Fläche einer Folie von 25 – 34 cm in der Breite und 19 cm in der Höhe je nach Format zu beach­ten. Auf dieser Fläche lassen sich nicht beliebig viele Informationen darstellen, schon gar nicht, wenn sie per Beamer auf eine Leinwand geworfen werden und dann noch lesbar sein sollen.

Eine zweite Beschränkung stellt das begrenzte Kurzzeitgedächtnis der Menschen und insbesondere derjenigen im Publikum dar. Wie in Kap. 1.4.2 – Engpass Kurzzeitgedächtnis – ausgeführt, kann unser Gehirn nur 3 – 5 Informationen gleichzeitig aufnehmen – es bringt also nichts, mehr Informationen auf einer Folie darzustellen.

Eine weitere Empfehlung sagt aus, dass eine Folie viel Leerraum, d.h. Hintergrund, enthalten soll. Dann steht für die Darstellung von Informationen höchstens die Hälfte des Platzes auf der Folie zur Verfügung.

Die Informationen sollen vorzugsweise als Grafiken dargestellt werden, also mit Bildern und Diagrammen. Die Verwendung von Text ist dagegen einzuschränken. Schon gar nicht dürfen Textfolien verwendet werden, wie in Kap. 1.4.4 – Textfolien – näher begründet.

Wir müssen diese Grundprinzipien im Blick behalten, wenn wir die folgenden Regeln und Empfehlungen anwenden wollen.

4.2 Der moderne Folienaufbau

Beim Folienaufbau gibt es zwei grundlegende Richtungen, die moderne und die klassische.

Beim modernen Folienaufbau steht das Bild bzw. das Diagramm im Mittelpunkt. Es gibt keine überflüssigen Beiwerke wie Firmenlogos, Warenzeichen oder Ähnliches. Jörn-Axel Meyer nennt dies das Minimalprinzip [1]. Garr Reynolds [2] konkretisiert es so:

„Präsentieren Sie im Auftrag eines Unternehmens, sollten Sie nur auf der ersten und letzten Folie das Firmenlogo einbauen… Logos erhöhen weder Ihre Glaub­würdigkeit, noch dienen sie als Argumente.“

Texte werden auf das absolute Minimum beschränkt. Alle anderen Informationen werden vom Vortragenden mündlich erläutert. Auch Rahmen für Folien oder Bilder werden vermieden.

Für Fotos gibt es noch die Empfehlung, sie größer als die Folie zu wählen und dadurch nur einen Ausschnitt auf der Folie zu zeigen. Das Foto dient als Hintergrund und wird als eine einzige Informationseinheit wahrgenommen.

Nehmen wir ein Beispiel. Die Aussage „Linux hat mehr Anhänger als Sie glauben“ lässt sich wie folgt visualisieren: Dem Linux-Maskottchen Tux, einem kleinen stilisierten Pinguin, legen wir die Aussage in den Mund bzw. Schnabel:

Tux

Die Linux-Anhänger werden durch ein Foto von Königspinguinen dargestellt:

Diese Foto platzieren wir als Ausschnitt auf der Folie:

Komplett sieht die Folie dann so aus:

Linux hat mehr Anhänger als Sie glauben

Die Folie kann dann noch so animiert werden, dass zuerst nur Tux mit seinem Ausspruch erscheint und dann das Foto mit den Pinguinen eingeblendet wird.

Auf den ersten Blick scheint diese Art der gestaltung im Widerspruch zu stehen mit der Empfehlung, dass eine Folie viel Hinzergrund

Beispiele für Folien mit modernem Aufbau finden sich insbesondere bei Garr Reynolds [2].

4.3 Der klassische Folienaufbau und 4.4 Regeln und Leitlinien

Eine ausführliche Darstellung enthält das Buch PowerPoint-Rhetorik:

 

4.5 Empfehlungen für die Foliengestaltung

4.5.1 Leerraum

Für die Informationsmenge einer Folie und die Aufteilung des verfügbaren Platzes gibt es die folgenden Erkenntnisse:

4.5.2 Positionierung

Zur Positionierung der Informationen gelten folgende Regeln [1] S. 83, [1.6]:

4.5.3 Geometrie

4.5.3.1 Goldener Schnitt

Eine ausführliche Darstellung enthält das Buch PowerPoint-Rhetorik - Bessere Folien und überzeugende Präsdentationen:

 

4.5.3.2 Blickfolge

Bei der Foliengestaltung kommt die Blickfolge hinzu. Da in der linken oberen Ecke der Folientitel als Blickfang steht, ist der nächste natürliche Punkt für eine Blickfolge der dieser Ecke am nächsten gelegene Schnittpunkt der Geraden des Goldenen Schnitts. In der westlichen Welt ist die Blickfolge beim Lesen im Prinzip von links nach rechts und oben nach unten. Diese Gewohnheit spielt auch beim Betrachten von Bildern, Webseiten und Folien eine Rolle. Da hier der Zwang des Zeilensprungs fehlt, ergibt sich als bevorzugte Blickfolge die Diagonale von links oben nach rechts unten.

Blickfolge

Die folgende Abb. zeigt ein Beispiel für eine Folie mit einer Verteilung der Informationen, die diesen Regeln folgt.

Goldener Schnitt und Blickfolge

4.5.3.3 Gestaltgesetze

Eine ausführliche Darstellung enthält das Buch PowerPoint-Rhetorik - Bessere Folien und überzeugende Präsdentationen:

 

4.6 Empfehlungen für die Darstellung von grafischen Objekten

Bei den grafischen Objekten lassen sich Diagramme und „Lebensbilder“ unterscheiden. Diagramme sollen Zahlen visualisieren und Tatsachen verdeutlichen sollen. Ein Lebensbild ist eigentlich die Biografie einer Person. Hier wird diese Bezeichnung wie in [8] als Gegensatz zu einem Sachbild bzw. Diagramm verwendet. Lebensbilder sind also Abbildungen oder Bilder, die Motive aus dem täglichen Leben darstellen. Es handelt sich hierbei um Fotos, fotorealistische Darstellungen oder Zeichnungen.

Für die Einprägsamkeit von grafischen Objekte gilt, dass sich Elemente mit hoher Qualität besser einprägen und man sich deshalb an solche Elemente besser erinnern kann. Das spricht für die Verwendung von Fotos oder fotorealistischen Elenten in Folien und für den Verzicht auf zu primitive Cliparts.

4.6.1 Diagramme

Mit Diagrammen werden Zahlenwerte, zeitliche und logische Zusammenhänge oder Prozesse und Abläufe dargestellt. Da Diagramme eine Fülle von Informationen beinhalten können, ist es unabdingbar, nur das darzustellen, was auch tatsächlich vermittelt werden soll. Die Reduktion auf die erforderlichen Informationen bedingt auch, dass Achsenbeschriftungen auf ein Minimum zu reduzieren sind. Das Diagramm muss dann aber durch den Präsentierenden ausführlich erläutert werden.

4.6.1.1 Achsendiagramme

Achsendiagramme haben normalerweise ein x-y-Koordinatgensystem. Sie dienen zur grafischen Darstellung von Zahlenwerten. Sie lassen sich einteilen in [15]:

Eine sehr wichtige Regel bei der Darstellung von Zahlen und Tabellen in Diagrammform ist das Minimalprinzip [1]S.159:

„Nur die Informationen sollen visuell dargestellt werden, die auch als nicht-visuelle Form vorgegeben sind.
Zusätzliche oder redundante Informationen (z.B. wiederholte Firmenlogos) und gestalte-rische Maßnahmen, die u.a. den Zusatzzielen wie der 'schönen' Darstellung dienen (z.B. 3-D-Darstellungen für zweidimensionale Datenstrukturen), jedoch nicht durch eine der ... Regeln der Visualisierung begründet werden, sind abzulehnen.“

Eine Ausnahme bilden unaufdringliche bildliche Darstellungen des Themas. Wenn es etwa um Fahrräder geht, kann es nach Garr Reynolds [2] sinnvoll sein, das Diagramm mit einem Fahrrad im Hintergrund zu „schmücken“. Das Diagramm wird dadurch emotional aufgewertet.

Statistik mit Fahrrad

Bei den folgenden Diagrammen können solche emotionalen Elemente ebenfalls hinzugefügt werden. Da es sich hier um Prototypen handelt, also Beispiele für die verschiedenen Klassen von Diagrammen, wurden Sie hier aus Gründen der Übersichtlichkeit weggelassen.

 

Steudiagramm

 

 

Nähere Einzelheiten zu Blasendiagrammen, Liniendiagrammen, Balken- und Säulendiagrammen, Kreisdiagrammen, Zeitstrahldiagrammen und Blockdiagrammen und zu den Kapiteln 4.6.1.2 und 4.6.1.3 finden Sie im Buch "PowerPoint-Rhetorik":

 

Zum E-Book Zum Buch

4.6.2 Bilder

Bilder werden durch die rechte Hemisphäre des Gehirns kritiklos aufgenommen. Sie haben starke emotionale Wirkungen. Bilder, von denen wir persönlich betroffen sind, werden leicht gespeichert und sehr gut erinnert. Auch lebendig wirkende, detailreiche Bilder verbessern das Erinnerungs-vermögen (s.a. Abschnitt 1).

Daraus ergeben sich folgende Regeln für die Gestaltung grafischer Objekte:

Die folgenden Abbildungen zeigen zwei Beispiele. Das linke Bild wurde mit Cliparts gestaltet, das rechte mit fotorealistischen Objekten:

Folie mit Cliparts Folie mit Fotoelementen

4.6.3 Cartoons

Cartoon

Das „typische“ Ende einer Präsentation

4.7 Textgestaltung

Einzelheiten zur Textgestaltung und zu den Kap. 4.8, 4.8.1 uns 4.8.2 finden Sie im Buch "PowerPoint-Rhetorik":

4.8.3 Farbgestaltung allgemein

Ingrid Crüger hat in [12] eine kurze Einführung in die Farbentheorie und in die Farbgestaltung zusammengestellt und wichtige Realisierungsregeln aufgestellt.

4.8.3.1 RGB-Modell und Farbsechseck

In der menschlichen Netzhaut gibt es Rezeptoren für die Farben Rot, Grün und Blau. Jede wahrgenommenen Farbe ergibt sich als Summe aus unterschiedlichen Anteilen dieser „Urfarben“. Auch technische Geräte wie Monitore und Fernseher benutzen diese Farbdarstellung, die hier als RGB-Modell bezeichnet wird. Die Urfarben werden hier als Primärfarben bezeichnet. Jede Primärfarbe kann die Intensität von 0 bis 255 annehmen. Eine bestimmte Farbe wird durch ein Zahlentripel mit den Intensitäten der drei Urfarben dargestellt. (0, 0, 0) ergibt die Farbe Schwarz, (255, 255, 255) die Farbe Weiß.

Stellt man die Farbkomponenten geometrisch dar, dann ergibt sich ein würfelförmiger Farbraum, der die möglichen Farben enthält.

Auf der Grundlage von Harald Küppers' Farbenlehre hat Ingrid Crüger [12] ein Farbsechseck konstruiert, dass die Farben Rot, Gelb, Grün, Cyan, Blau und Magenta und ihre möglichen Zwischentöne enthält:

Farbsechseck

 

Weitere Einzelheiten zur Farbgestaltung allgemein und zur Farbgestaltung von Folien sowie Empfehlungen für Animationen finden Sie im Buch "PowerPoint-Rhetorik":

4.11 Literatur zum Kapitel 4

Das Literaturverzeichnis finden Sie im Buch "PowerPoint-Rhetorik".